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Seit 1955 gibt es den Schatzgräber als Fasnetfigur in Todtnau. Diese erste Hästräger-Figur in Todtnau-Stadt - und nicht etwa die Zahlung von im 13. Jahrhundert abgebautem Silbererz, das einst in Todtnau zu Münzen geprägt worden war   - war Voraussetzung dafür, dass die Todtnauer Narrenzunft nach der Umwandlung der Großen Karnevalsgesellschaft Todtnau 1955 in den Verband Oberrheinischer Narrenzünfte aufgenommen werden konnte. Der Schatzgräber mit Kapuze und breitem Kragen in seiner Bergmannskluft mit roten und blauen Samtröcken und dem Arschleder, das den Bergmännern beim Einfahren in den Berg, das heißt Rutschen in den Stollen, allerwertesten Schutz gewährte , erinnerte an die Zeit, als der Abbau von silberhaltigem Erz und weiterer Mineralien bedeutsam für Todtnau war. Als einzige im Oberen Wiesental hatte beispielsweise die Grube "Maus"  in Todtnau-Brandenberg eine Erzaufbereitung mit Schmelzhütte.

 

Steffen Lehr
Friedrichstr. 8
79674 Todtnau           
http://www.schatzgraeber-todtnau.de

Auf den Todtnauer Leoedgar Thoma geht die Figur des  Bürsten- und Besenbinders (*1960)  zurück, denn der Müllergeselle hatte 1770 damit begonnen, Bürsten und Besen herzustellen. Fast in jeder Todtnauer Familie wurden zwischen 1780 und 1800 Bürsten hergestellt, noch heute ist die Bürstenindustrie ein bedeutender Industriezweig, der weltgrößte Bürstenmaschinenhersteller, die Firma  Zahoransky hat ihren  Sitz in Todtnau-Geschwend und die Dr. Best-Zahnbürste wird nach dem Weggang der Firma Interbros aus Todtnau immer noch im Oberen Wiesental in Schönau  hergestellt. Die Augenbrauen der Holzmaske der Bürsten- und Besenbinder bestehen aus Borsten und die Larve hat einen beweglichen Unterkiefer. Gegen den Strich bürsten die Bürsten- und Besenbinder an der Fasnet mit ihrer großen Bürste in der Hand Kleidung und Haar von manchem Umzugsstreckenzaungast.

Vera Janus
Oberstrasse 23a
79674 Todtnau

Ein Kerl wie ein Baum ist das Todtnauer Zapfemännle. Es tauchte 1959 in Todtnau erstmals als Einzelfigur auf. Serafin Maier trug ein Häs aus unzähligen Tannenzapfen, Tannenzweigen und Baumflechten und einen dicken Wanderstecken sowie Bart und Hut aus Baumflechten. Baumlange Schritte kann ein Zapfemännle nicht machen, denn um die 20 Kilogramm wiegen die Naturalien. Da Zapfemännle ist eine zutiefst naturverwurzelte Figur.

Georg Steck
Sonnhalde 16
79674 Todtnau

Das sonnengelbe Häs der Tannengeister ist mit grünen Filz-Tännle benäht, dazu kommen eine Maske mit Hanfhaaren und ein Fuchsschwanz. Der Geist des Waldes prägt das Leben der Mdenschen schon seit Jahrhunderten, das zeigt der Tannengeist.

 

Michael Mehltretter
Oberhäuserstr. 11a
79674 Todtnau-Muggenbrunn  
http://tannengeister.de.tl

Zunder ins Todtnauer Fasnetsgeschehen bringen seit dem Jahr 1960 die Zundelmacher, zu ihnen gesellte sich 1970 der Fanfarenzug der Zundelmacher, die Musiker tragen keine Holzmaske. Der Zundelmacher erinnert mit seiner Zundelbüchse an die Zundelmacherei zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Todtnau. Von drei badischen Zunderfabriken, befanden sich zwei in Todtnau, die aus dem an verschiedenen Laubgehölzen vorkommenden Weidenschwamm oder Löcherpilz Zunder produzierten, der zum Feuermachen, jedoch auch für die Herstellung von Accessoires wie Zundelmützen oder Taschen verwendet wurde. Aus zeitlosem Rot und Blau besteht das Zundelmacherhäs. Außerdem schmückt den Zundelmacher ein Fuchsschwanz.


Stefan Nopper
Obermatt 5
79694 Utzenfeld 
http://www.zundelmacher.de

Mit lautem Schellengerassel und Karpatschengeknall sucht seit der Fasnetseröffnung 1969 der Todtnauer Blätzle-Narr den dunklen und rauen Winter zu vertreiben. Er steht mit der Farbe Grün für die Natur und mit Gelb für die näher kommenden hellen Tage des Frühlings und repräsentiert gleichzeitig die Todtnauer Stadtfarben. Er trägt eine schelmisch-lachende Holzmaske mit grüner Kapuze, roter Schleife und einen Fuchsschwanz über der Stirn der Larve.

Rainer Kimmig
Freiburgerstr.10
79674 Todtnau      
http://www.blaetzle-narren.de

Durch die Eingemeindungen infolge der Gemeindereform im Jahr 1974 wurde Todtnau um einige Fasnetsfiguren reicher. Bereits seit 1926 führt in Aftersteg der Dahlauer der Narreclique Fidlebruck seine Mitbürger am Narrenseil herum. Sein Häs und sein verschmitzes Grinsen im aus Holz geschnitzten Gesicht und die grün-gelbe Hörnerkappe und einem großen grünen und gelben Wollbommel am Ende, erinnert an den niederrheinischen Till Eulenspiegel.

Fiedel Oliver
Haldenweide 12
79674 Todtnau-Aftersteg  
http://www.wisslershome.de/dahlauer

Wer ab 1971 geschickt wurde, einen Dilldappen zu fangen, konnte beim Wagenbauzinken in Brandenberg fündig werden. Die alemannische Figur des zum-Narren-Haltens bekam ein Gesicht mit roter Feder auf dem Kopf der hämisch grinsenden Holzmaske, in verschiedenen Grüntönen sind die Blätzle des Häs gehalten und zur Unterbringung der  schier unerschöpflichen Konfettivorräte des Dilldapp dient seit 1987 Schlurpie, ein überdimensional großer Strohschuh auf Rädern.

Johannes Binder
Schwarzwaldstr.11
79674 Todtnau                    
http://www.dilldappen-brandenberg.de                                                 

Volles Rohr bei der Fasnet dabei ist die Figur des Dichlbohrers (*1979) der Fastnachtsgesellschaft Schlechtnau, sie geht auf altes Handwerk zurück. Der Dichlbohrer höhlte gerade und gleichmäßig gewachsene Baumstämme mit Hilfe eines langen Bohrers aus, die dann als hölzerne Wasserleitungen dienten. Eine bohrerähnliche Nase trägt der Dichlbohrer im holzgeschnitzten Gesicht, den Mund bildet eine hölzerne Rinne. Dünne Holzröhren zieren den Saum seines Kragens. Ein nachgeformter Dichlbohrer in der Hand und ein in den Farben blau, rot und braun gehaltenes Häs trägt der Dichlbohrer.


Michael Kaiser
Bergstr. 1
79674 Todtnau-Schlechtnau            
http://www.dichelbohrer.de

Der Kälte des Gletscherkessels Präg entstiegen im Jahr 1984 die Präger Gletschergeister. Eisige Schauer kann der Anblick der Holzmaske mit grünlich-weißschimmernden Eiszapfen hervorrufen. Ein weißes Häs und Zottelaare aus Hanf hat der Gletschergeist, der in dem auf 570 bis 1310 gelegenen Gebiet an die gewaltigen Eismassen beim Aufeinandertreffen von sechs  Gletschern vor zehntausenden von Jahren erinnert. Rundhöcker und Blockhalden sowie artenreiche Flügelginsterweiden prägen das Landschaftsbild und der Präger Gletschergeist ist mindestens so einzigartig wie der in den Blockhalden lebende Nebria praegensis (Präger Dammläufer), der erstmals 2004 von einem Wissenschaftler beschrieben wurde.


Frank Lais
Hochkopfstr.46/1
79674 Todtnau-Präg

Auf Bergeshöhen zuhause sind die Beeriwieber Todtnauberg (*1975), sie erinnern daran, dass die Frauen in den Bergwäldern einst im Sommer auf Beerensuche gingen und die Früchte dann zum Verkauf anzubieten. Aus blaugemustertem Grundstoff mit bunten Stoffflicken besteht das Häs, dazu wird eine rotkarierte Schürze getragen, pauswangig und fröhlich grinsend ist das Altweibergesicht der Holzmaske, welches von den Blaubeeren zum Teil blau angelaufen ist. Ein Beerensammelkörbchen und eine überdimensionale Raffel komplettiert das Häs.


Uli Strohmeier
Kreuzmattstraße 2a
79674 Todtnau-Todtnauberg  
http://www.beeriwieber.de.tl

 

Aus der Sagenwelt entschlüpft sind  die jüngsten Sprosse der Todtnauer Narrenzunft. Für Glück im Spiel, gegen böse Geister und gegen Natterbisse war schon früher ein Kraut gewachsen, Kräuterweibchen sammelten an der Ostseite des Feldbergs Allermannsharnisch, das brachte gutes Geld auf den Jahrmärkten, die Blätter des Lauchgewächses wurden in Weingeist angesetzt. Das Todtnauer Chrüdderwieble (*1993) weiß um die Heilkräfte der Natur und erinnert mit seiner Häsfigur mit grünem Häsrock, orangefarbener Schürze und Oberteil  und Weidenkorb auch an die als weise Frau geltende Zauberin Bela Küferin von Todtnau, der vor mehr als 500 Jahren Heilkräfte zugeschrieben waren.

Kathrin Falger
Wiesentalstr.2
79674 Utzenfeld                          
http://www.chruedderwieble.de

Bodenständig ist der Rabefelseschlurbi aus Geschwend (*1994), dem man zudem übertriebene Hast  nicht vorwerfen kann. Nur ungern lupft er seine in Holzschuhen steckenden Füße. Der Sage nach hatten früher viele Raben unter dem Felsvorsprung am Rabenfelsen oberhalb von Geschwend genistet, diese klugen Vögel galten bei den Einwohnern am Fuß des Felsens als Unglücksbringer. Das Schlurben soll auf den großen Erschöpfungszustand zurückzuführen sein, der auf die Strapaze des mit viel Lärm verbundenen Rabenvertreibens folgt

Bernd Böhler
Freiburger-Str. 32
79674 Todtnau         
http://rabefelseschlurbi-geschwend.de

Im Oberdorf 7 ist eine wichtige Institution der Todtnauer Fasnet zuhause: der Narrenpolizeiposten Todtnau. Wichtige Utensilien des Narreoberbollizischten Noldi Seger sind Säbel, Stimme, Schelle und Schreibblock. Wer von ihm "uffgschriibe" wird, hat gute Chancen sich am Fasnetfriddig vor dem ehrenwerten Todtnauer Narrengericht verantworten zu müssen und am Fasnetzischdig zur Strafverbüßung im Todtnauer Bären antanzen zu müssen. Sehr gut tanzen kann der Narreoberbollizischt im Übrigen auch.

Reinhold Seger
Oberdorf 7
79674 Todtnau

 

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, 27. Mai 2010 um 17:51 Uhr
 

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